Alexandra Schütz | atelier anda
In einem kleinen Hinterhof zwischen Deutschland und der Schweiz versteckt sich das Atelier Anda. Hier fertigt Alexandra aus Polymerton und Silber Schmuck, der einfach nur happy macht. Ihr kreativer Prozess ist impulsiv und konsequent handwerklich: Wenn eine Idee aufkommt, macht sie sich direkt ans Farbenmischen, Formen und Zusammensetzen. Polymerton erlaubt dabei maximales Experimentieren – und bringt Objekte schnell vom Konzept durch die Hand in die Realität.
Inspiration für ihre Schmuckobjekte findet Alexandra überall. Eine Farbkombination in der Natur, ein Muster in einem Gemälde, die Form eines Gebäudes. Kombiniert mit ihrem Verständnis für Materialien und Techniken aus dem Kunstgeschichtsstudium in Basel verbinden Andas Schmuckobjekte handwerkliche Expertise, ein Kopfnicken an Design- und Kunstgeschichte und vor allem ganz viel farbenfrohe Spontaneität.
In eigenen Worten
Nimm uns mit in deinen Arbeitsprozess: Woher kommt deine Inspiration für ein Design? Wie läuft der Entwurfs- und Fertigungsprozess ab? Hast du einen Lieblingsschritt?
Oft sehe ich irgendwo eine Farbkombination oder ein Muster, das mir ins Auge springt und das ich unbedingt umsetzen möchte. Auch aus Aufträgen nach Wunsch und gemeinsamen Brainstorming entwickeln sich häufig neue Modelle oder ganze Kollektionen. Ich arbeite meistens intuitiv, „trust the process“. Wenn ich doch mal vorher etwas skizziere, weiß ich oft schon beim Zeichnen, dass es am Ende anders aussehen wird. Für die amao-Kollektion habe ich aber z. B. digital vorgearbeitet, um verschiedene Kombinationen von Formen und Farben besser ausprobieren zu können. Da ist das Ergebnis tatsächlich ziemlich nah am Entwurf geblieben.
Der Fertigungsprozess beginnt mit dem Mischen der Farben des Polymertons und dem Formen, Modellieren oder Ausstanzen der einzelnen Schmuckelemente. Diese werden dann ausgehärtet und anschließend geschliffen (mein Lieblingsschritt, das kann recht meditativ sein). Danach werden die Teile poliert, lackiert, bemalt, gebohrt, geklebt und am Ende zum fertigen Schmuckstück zusammengesetzt.
Was begeistert dich an der Arbeit mit Polymerton?
Das Material ist extrem vielseitig: so gut wie jede Farbe und jede Form ist möglich und ich kann viel ausprobieren. Ich mag auch die Haptik nach dem Aushärten. Und weil das Material so leicht ist, sind selbst große Ohrringe angenehm zu tragen. Ein weiterer Pluspunkt: Es geht vergleichsweise schnell. Wenn mich eine Idee packt, kann ich sie oft noch am selben Tag umsetzen. Ich arbeite eher spontan und impulsiv, und wenn ein Prozess zu lange dauert, verliere ich manchmal das Interesse oder fange parallel drei neue Ideen an. Ein Medium, das Wochen zur Fertigstellung erfordert, wäre daher eher nichts für mich. Polymerton passt also ganz gut zu meinem Tempo und meiner Arbeitsweise.
Die Menschen schmücken sich seit Anbeginn der Zeit. Abgesehen von Statussymbolik, die es heute natürlich nach wie vor gibt - welche Bedeutung hat Schmuck für dich?
Mein Schmuck hat nicht zwingend den Anspruch, einen tieferen Zweck zu erfüllen und darf auch einfach nur schön aussehen oder ein Outfit komplettieren. Für mich geht es weniger um Status oder Funktion, sondern um das Gefühl, das man beim Tragen hat.
Viele Schmuckstücke sind mit Erinnerungen verknüpft und begleiten einen über Jahre. Ich habe mich schon immer für Mode interessiert und Schmuck gehört für mich dazu. Es ist Teil des persönlichen Ausdrucks. Und selbst so ein kleines Accessoire kann eine riesige Wirkung auf die Stimmung und Ausstrahlung eines Menschen haben. Das macht Schmuck für mich so besonders: er ist unmissverständlich und trotzdem nie belanglos.
Du hast in Basel Kunst studiert - wie hat das dein Leben beeinflusst? Und deine Arbeit als Schmuckkünstlerin?
Ich habe im Studium gelernt, wie viel Geschichte, Intention und persönliche Entwicklung in einem Kunstwerk stecken können und wie ganze Kunstströmungen überhaupt entstehen. Besonders der Entstehungsprozess und Techniken haben mich interessiert. Es hat sich auf jeden Fall verändert, wie ich Kunst und Design und die Menschen dahinter wahrnehme und wie viel Bedeutung oft im Detail steckt.
Neben dem eher theoretischen Studium war mir gleichzeitig klar, dass ich auch selbst kreativ arbeiten und etwas Greifbares erschaffen möchte. Genau das kann ich heute mit Atelier Anda machen, immer mit dem Anspruch, etwas Besonderes zu gestalten, was anderen Freude macht. Es ist keine Kunst im klassischen Sinne, aber manchmal fühlt sich ein Schmuckstück wie ein tragbares Mini-Kunstwerk an.
Was bedeutet es für dich, als Schmuckkünstler:in selbstständig zu sein?
Ich habe die kreative Freiheit und kann meine eigenen Ideen umsetzen. Langweilig wird es also nie. Vor allem kann ich am Ende in den Händen halten, was ich erarbeitet habe, das ist sehr belohnend. Natürlich braucht es auch eine Menge Selbstdisziplin, aber dafür trage ich die Verantwortung für alles, was ich mache, und kann nach meinem eigenen Rhythmus arbeiten.
Ich habe schon immer gerne gemalt, gezeichnet, getöpfert, genäht, geschrieben oder Musik gemacht, also alles was irgendwie mit einem kreativen Prozess zu tun hat. Dabei kann ich den Kopf ausschalten und einfach machen. Zur Selbstständigkeit gehört halt nicht nur der kreative Teil, sondern auch Papierkram, ein bisschen Chaos und auch mal Tage, an denen ich alles hinschmeißen will. Aber am Ende ist es das wert, weil ich viel Herzblut reinstecke. Dass ich das machen kann, was mir wirklich Spaß macht, sehe ich als großes Privileg.
Noch drei schnelle Fragen
Bauchgefühl oder Logik?
→ Bauchgefühl!
Bauhaus oder Brutalismus?
→ Bauhaus.
Rave im Club oder Konzert im Freien?
→ Konzert im Freien.
































































